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Im Nebel

Im Nebel ging ich. Er vermittelte mir Einsamkeit und ich strengte mich an, durch ihn hindurchzublicken und selten sah ich Konturen oder Licht, denn dicht war der Nebel durch den ich ging. Er lehrte mich aber und flüsterte, dass es so auch sei mit dem Schleier meiner Empfindung, dessen träge, widerspenstige, bleierne Kontur sich vor meinen Blick legte, um mich meiner Hellsichtigkeit zu berauben. Einer seiner finsteren Weggefährten war die Ablenkung, die sich von der Überfülle des Erlebten fett nährt und mit ihrem wulstigen, wuligen Geschwabbel stets bemüht ist, sich vor den Strahl meiner Konzentration zu postieren, um sich der Klarheit meiner Gedanken und Sinne zu bemächtigen.

Und doch gelingt es mir von Zeit zu Zeit, denn der Geist der Sehens umweht mich und seine Böen der Erkenntnis drohen mich umzuwerfen, denn sie rollen heran, wie die mächtigen Wogen der See, die mich nicht die Angst, sondern gelehrt haben, sich ihnen fügen zu müssen, sich ihnen hinzugeben, in der ewigen Hoffnung, sie mögen mich in meinem Dasein belassen. Das haben sie auch, ich liebe sie dafür und doch sind sie schrecklich, erbarmungslos und gewalttätig...

und so empfange ich durch den Nebel des Kollektivs die Dinge, nach denen ich mich gesehnt habe, die zu erkennen, zu hören mit meinen inneren Ohren, denn sie sind mehr Klang als alles andere, ich kaum zu hoffen gewagt hätte. In diesen kurzen Momenten, wo der silbrige Faden gespannt ist, ich empfange und auch sende, bin ich da, bei dir, um sanft ertastend dich zu umwehen, wie der Blinde, der die Form fühlt, dadurch sie in seinem Inneren entsteht, dich zu berühren, in deine Seele einzutauchen, immer in der Hoffnung, meine Sehnsucht mit dir erleben zu können, deinen Duft zu inhalieren, dich zu schmecken, die Farbe deiner Klangaura, das Feuer meiner Leidenschaft zu leben, zu verschmelzen, dir meinen Körper und meine Seele anzubieten, dass du dich seiner und ihrer bedienen dürftest, wie es die Geistmutter der Leidenschaft es dir durch deine Intuition einhaucht.

Und doch ist so viel Hoffnung darin, auch Zweifel, denn Hoffnung ist noch Trug, Erfüllung die Bestätigung ihrer. Da ist er wider, Nebel, du bleierne Wand, hast mich verführt, denn das habe ich nicht gesehen, nicht empfangen, höchstens gesendet, als Traumschema der Zweisamkeit und doch... mit der größten Anstrengung höre ich hinein, es klingt etwas wieder, irgendetwas, was vielleicht... ich schon weiß, eine Sehnsucht flüstert mit leichtem Erzittern, kaum wahrnehmbar über den silbrigen Faden mir zu, eine Sehnsucht, die sich aus den trüben Wassern der Enttäuschungen deines Lebens sich zu erheben genötigt fühlt. Hier ist sie, deine verwundete Stelle, in der du offen bist, meine Sehnsüchte zu empfangen, deinen Blick in Richtung meiner zu wenden. Jetzt fühle ich deinen Blick, ich spüre, was du mir sendest, ich kenne das, es sind die Sehnsüchte, sie sind des Erzengels Heerscharen, die die Schlange des Schmerzes hinab stoßen in die Finsternis, auf das sie dort begraben seien für tausend und tausend Monde...dein Öffnen füllt sich mit Leben, feucht, von Tränen der neuen Hoffnung benetzt, deine Woge rollt mit Macht heran und überfällt mich, sie ist so wahrhaftig, so leidenschaftlich, meine Sehnsucht drängt sich dir zu, dir zu, zu dir, zu dir, ich muß, ich will, ich möchte so gerne, so unendlich gerne und fliege los, erblicke dich, wir wirbeln um das Gravitationszentrum der Vereinigung, ich kenne die Kräfte der Fliehkraft, die sich meiner Sehnsucht entgegenstellen, sie sind so mächtig, die Sehnsucht, sie ist es auch, wahrhaftig, sie ist es auch...

Das war, als ich neulich ging im Nebel, es blieben die Einsamkeit und die Tränen der Traurigkeit. Diese aber bringen Hoffnung...



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