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Betrachtungen über das Komponieren

Komponist zu sein bedeutet für mich in erster Linie, dasjenige zu tun, was das innere Klang-, Rhythmus-, Farbgebungs-, Ausdrucks-, etc., -bedürfnis einem diktiert, zu tun.

Die größte Herausforderung beim Komponieren empfinde ich in dem Problem, dass der Gedanke, sozusagen der Ausgangspunkt einer Tondichtung, nennen wir diesen im Berliozschen Sinne die Idee fixe, in ein Stück eingebettet werden muß. Paradoxerweise ist es nicht diese Idee, an der es mangelt, sondern es ist die handwerkliche Herausforderung, aus dieser Idee fixe ein Kunstwerk zu schmieden.

Ich komme aus der Improvisation. Beim Improvisieren sind keine Grenzen gesteckt. Die Stimmung, die ich erzeugen kann, ist nur für den Moment bestimmt. Das bedeutet, ich muß mich nur für diesen Moment auf diese Stimmung einlassen. Im nächsten Moment bin schon weitergedriftet in eine ganz andere Stimmung, oder die vorherige wird leicht variiert, was bedeutet, dass nichts noch einmal wortwörtlich wiederholt wird. Es ist wie die Welt im Lauf der Zeit: sollte sich etwas wiederholen, so wird doch die räumliche und zeitliche Disposition nicht so sein, wie beim ersten Erscheinen der Dinge. Ein Objekt und sein Umfeld bleibt im Fluss der Zeit nie dasselbe. Alles ist doch stetig im Fluss und das ist auch gut so, denn sonst würde alles stagnieren und eine Entwicklung wäre nicht mehr möglich. Hat Dante doch in seiner „Divina Comedia“ den 9. Höllenkreis, als letzten und tiefsten, zur Wohnstatt des Herrn der Finsternis selbst gemacht, weil hier alles eingefrorenen ist, nichts ist im Fluss, es herrscht Stagnation, es kann keine Weiterentwicklung mehr geben, ein Weiterkommen der Menschheit ist nicht mehr möglich.

Mir selbst fällt es sehr schwer, die feste Form zu akzeptieren und ich bin nicht unbedingt glücklich über diesen Zustand, denn die flüchtigen Geister wollen sich von mir nur unter Wiederstand in eine feste Form zitieren lassen.

Wir Musiker haben, was diese Problematik angeht, sogar noch den besten Stand, denn auch das in Form gegossenen Musikstück existiert ja nur im Fluss der Zeit und hinterlässt nur den Eindruck, die Einprägungen auf der menschlichen Seele.

Kann man denn diejenigen Komponisten kritisieren, die sich theoretische Systeme basteln, wie Dodekaphonie, Superformeln, Klang-Modi oder Systeme erstellen, um sämtliche Parameter ihrer Musik von vorne herein festzulegen, so dass die Frage nach der Farbe, dem Charakter, usw. des nächsten Tones oder Klangereignisses gar nicht erst gestellt werden muß, weil diese durch Festlegung der Parameter vorgegeben werden.

Wenn man davon ausgeht, dass sie unter den gleichen Problemen gelitten haben und noch immer leiden, solte man sie nicht mit Kritik versehen, sondern sollte sich sagen, siehe, sie haben sich auf ihre Weise des Problems entledigt, wobei ich natürlich davon ausgehe, dass sie „mein“ und dann „unser“ gemeinsames Problem zu ihren theoretischen Systemen getrieben hat.

Wahrscheinlich würden sie dies nicht zugeben, sondern sagen, das die Organisation von Zahlen dem Intuitiven gleichgestellt, oder sogar noch höheren Stellenwert hat, da intuitive Musik auch nur Zahl ist, oder zumindest zahlenmäßig aufgeschlüsselt werden könnte. Wie wunderbar! Wie schön! Ein Faszinosum! auch hier spüre ich die unendliche Schöpferkraft des großen Baumeisters, ist doch alles Proportion, verschachtelt auf unendlich vielen Ebenen, wie die unendlich vielen Existensdauern der Dinge, die mit uns Menschen in der Welt sind oder die Dinge, die uns im Leben begegnen und ganz unterschiedliche Dauern oder räumliche Ausdehnung haben.

Doch haben wir nicht die „Musikbauklötze“ zum Spielen bekommen, um uns alle möglichen Formen bauen zu können, mit ihnen zu spielen, auch ohne oder auch mit Symmetrie, goldenem Schnitt, abgewogenen Proportionen, Schönheit, etc....?

„Tu was du willst“ höre ich Stimmen aus Raum und Zeit, gute Geister, die sagen, dass mit viel Energieaufwand und dieser Konzeption doch einiges und noch viel mehr zu schaffen ist.

In diesem Sinne also weiter an die Arbeit!

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